20. Januar 2012
20:00 Uhr
WerkZwei -
Fabrik e.V. Guben
03172 Guben, Mittelstr.18

J. Garcia, zit.n. Schmidt-Joos/Graves,
Rock-Lexikon, 1977
workingmansdead sind Überzeugungstäter. Vielleicht werden anderswo deutsche Lieder in andere Sprachen übersetzt; Thomas Aderhold (Gesang, Perkussion, Gitarre, Mundharmonika) möchte jedenfalls viele fremdsprachige Lieder dem Deutschen erschließen, zu welchem Zwecke er sich feinfühliger Nachdichtung befleißigt.
Hippiemusik ist von barockem Formenreichtum, ihr Spektrum reicht vom einfachen Folksong bis zur Freejazz-Ekstase. Lothar Rosengarten (Gitarren, Gesang) ist hier der rechte Mann, der Musik wieder einige Struktur zu geben, indem er sie konsequent in die filigrane Welt von Fingerpicking und Satzgesang überführt, ohne dabei Ecken und Kanten zu glätten.
Hippiemusik ist ein weites Feld. Neben ihren originären Vertretern wie den Grateful Dead oder Bob Dylan, deren Lieder den derzeitigen Kern des Repertoires von workingmansdead bilden, und den verwandten Seelen der Kinks, Doors oder Beatles (um nur einige zu nennen) tummeln sich hier auch Künstler mit ihren Songs, denen die Zugehörigkeit zur Hippie-Ökumene eher selbst nicht klar gewesen sein dürfte, wie etwa Mikis Theodorakis und Wladimir Wyssozki.
Viele Lieder der Grateful Dead (Texte: Robert Hunter, Musik: Jerry Garcia), der Band, die als Flaggschiff der kalifornischen Hippiebewegung sowohl Institution als auch Legende wurde, sind in einem „alten, unheimlichen Amerika“ (Greil Marcus) angesiedelt, bewohnt von Spielern, Trinkern und Verlierern, aber natürlich erzählen sie auch von der Liebe und all den anderen kosmischen Katastrophen.
Um die Lieder des begnadeten Poeten Bob Dylan zu analysieren, operiert weltweit ein Heer von Dylanologen mit und ohne akademische Weihen, von denen sich workingmansdead weder absetzen wollen noch eigentlich dazu gesellen. Zu der Schönheit von Dichtkunst kann auch gehören, dass immer ein Rest bleibt, den man nicht erklären kann. Diesen Rest in der Übersetzung bewahrt zu haben, wäre allein schon eine Leistung.
Die Beatles, eigentlich (wie Dylan) älter als die Hippiebewegung, dennoch ein wichtiger Teil davon, wurden bereits des öfteren ins Deutsche übersetzt (zum Beispiel von dem überaus skurrilen Berliner Klaus Beyer). Das hindert workingmansdead nicht daran, eigene Lesarten anzubieten.
Als würde all dies nicht reichen, erweitern workingmansdead ihr Repertoire noch durch eigene Schöpfungen, so etwa im derzeitigen Programm mit einem Zyklus von Vertonungen der Dichterin Marianne Pumb, starken Liedern von Liebe, Tod und Neubeginn.
Die Songs von workingmansdead kann man derzeit noch nicht käuflich oder anderweitig erwerben. Wem die Kostproben, die in unsere Website gestreut sind, nicht reichen, dem sei empfohlen, eines unserer Konzerte zu besuchen und sich endgültig bezaubern zu lassen.
2009-09-21